|
Die vierte Runde der Verbandsliga bescherte uns bereits das dritte Heimspiel, was besonders wichtig ist, wenn der Gegner Mosbach lautet und fast 100km entfernt liegt. Die Tabellenposition zur Vorschau zu benutzen funktioniert nicht so wirklich, denn Mosbach sind aufgrund der Heidelberg-Geschichte irgendwie erster und letzter zugleich, darum lassen wir harte, ehrliche DWZ sprechen: 2080 zu 2026 für uns, das sollte eng aber machbar sein.
Auf unserer Seite verhinderte Dr. Ulrich Gebhardts Absage die erste 2100er-SKE-Mannschaft der Geschichte, dafür waren Michael Mader und Marijan Orsolic wieder an Bord, Daniel Volz verstärkte die Zweite.
Die Anfangsphase verlief ohne große Höhepunkte, dafür gab es nach 2 Stunden bereits den ersten dicken. Jonas Rosner konnte am Spitzenbrett nach einem groben Fehler seines Gegners mit einem simplen Springerabzug gleichzeitig Dame und Figur angreifen und da die Dame ihren Kollegen nicht decken konnte, stand es nach 15 Zügen 1:0 für uns.
Die anderen Partien sahen zufriedenstellend aus: Roland Wehner setzte seinen Gegner aus der Eröffnung heraus unter starken Druck, Axel Sadewasser spielte wieder eine dieser Partien, die Schuld sind, dass wir nie viele Zuschauer haben, ich hatte eine Bauernraub-Variante auf dem Brett bei dem sich die mit dem Mehrmaterial verbundenen Nachteile bereits anfingen zu verflüchtigen. Igor Pyvovars Stellung hatte für mich zwischendurch mal leicht verdächtig ausgesehen, doch inzwischen war man bereits in einem symmetrischen Doppelturmendspiel gelandet, das um Punkteteilung bettelte. Timo Fuciks Gegner hatte ein Bauernopfer gespielt, dass ihm Kompensation in Form einer starke Läuferdiagonale und Initiative bescherte und auch Marijan hatte Bauern gefuttert, sogar zwei. Dafür sah er sich einem enormen Entwicklungsvorsprung, aktiven Figuren und dem Läuferpaar ausgesetzt, so dass es schien, dass bloßes Zurückgeben der Bauern ein guter Deal sein könnte. Beide Stellungen waren unklar und kompliziert.
Als nächste Ergebnisse trudelten wie nicht anders zu erwarten die Remisen von Axel und Igor ein, 2:1 also. Vor der Zeitnot konnte ich dann mit einem Scheinopfer den Weg für eine Bauernlawine frei machen und einen Sieg verbuchen, doch als ich um mich blickte, sah ich die Mosbacher Timos Gegner gratulieren und Rolands aufgestelltem Brett ein Partie-Formularmit Null auf der falschen Seite. Timo hatte viel Zeit verbraucht und hätte vielleicht eher auf Qualitätsguru Mr. Schnepel hören sollen, denn erst streubte er sich, sich unter Qualleopfer zu entlasten, dann eroberte er seinerseits Turm für Läufer, doch das gegnerische Läuferpaar trieb seinen König ins Mattnetz. In beidseitiger Zeitnot wechselte der Punkt noch mal hin und her doch am Ende lautete das abzusehende Ergebnis: Matt. Roland war sich seiner Sache vielleicht zu sicher und so spielte er im Strudel der vielen guten Varianten etwas zu sorglos und plötzlich engte sein Springer die gegnerischen Figuren zwar ein, war aber leider auch wenig später weg. 3:3
Zwei Partien gingen also in die Verlängerung: Michael Mader hatte aus seiner optisch guten Stellung nichts rausholen können und bot jetzt in einem Endspiel mit ungleichen Läufern, Turm und Bauern auf nur einem Flügel folgerichtig Remis an, doch sein Gegner verfolgte erst den entscheidenden Kampf an Brett 8. Hier hatte Marijan in der Tat beide Bauern zurückgegeben und ein ungefähr ausgeglichenes Turmendspiel erreicht. Sein Gegner spielte hier mutig auf Sieg und überließ am Königsflügel einen Bauern seinem Schicksal, um einen c-Freibauern nach vorne zu bringen. Zum Showdown kam es dann mit besagtem Bauern auf der zweiten Reihe, dafür freien g-und-hs für den Ebmann, sonst nur Türme. Die schlauen Tablebases verkünden ein Remis in allen Varianten, als unbedarfter Mensch ist das aber alles andere als einfach zu berechnen und so schmolz die Zeit des Mosbachers dahin. Diese fehlte nun, nachdem er seinen Bauern einzog und Marijan seinen Turm geben musste, dafür aber mit seinen Bauern nach vorne stürmte. Aufzuhalten waren diese nun nicht mehr, doch der am Rand stehende König hätte eine Matt-Droh/Schach-Schaukel ermöglicht, die der Mosbacher mit nunmehr wenigen Minuten für den Rest der Partie nicht fand und wenig später aufgeben musste. Sehr bitter nach einer starken und mutigen Partie, doch auch Marijan spielte überzeugend und kämpfte bis zur letzten Patrone! Inzwischen waren Michaels Gegner die beiden Freibauern Marijans wohl auch zu bedrohlich erschienen und er hatte weitergespielt und eine Änderung der Struktur erzwungen. Michael blieb aber ruhig und ließ keine Gefahr aufkommen, im Gegenteil, er eroberte in inzwischen vorherrschender Zeitnot einen Bauern und schob einen eigenen nach vorne. Bis kurz vor Schluss wäre es zu halten gewesen, doch auch hier verhinderte die knappe Zeit die korrekte Verteidigung und so konnte Michael sogar noch einen Sieg drauf setzen. 5:3
Im Zustandekommen sicherlich glücklich, aber letztendlich dennoch ein verdienter Sieg. Die beiden halben Zusatzpunkte, die in den letzten Partien mit etwas Dusel geholt wurden, stehen ein weggeworfener Punkt an 2 und eine etwas holprige Niederlage an 7 gegenüber.
Die Hälfte der Partien sind gespielt, Zeit für eine kurze Standortbestimmung:
Nach hinten müsste es schon mit dem Teufel zu gehen, wenn noch was anbrennt. Nach vorne könnte es auf ein großes Duell gegen Heidelberg rauslaufen. Gegen Lindenhof und Pforzheim dürften wir zumindest Favorit sein (was natürlich nichts heißen muss), und wenn Überraschungsei Ubach nicht alle Register zieht, dürfte auch hier was drin sein.
SK Ettlingen 2080 SC Mosbach 2026 5 3
Rosner,Jonas 2139 Piekors,Mark 2179 1 0
Wehner,Roland 2196 Müller,Matthias 2173 0 1
Sadewasser,Axel 2164 Schnirch,Andreas 2032 ½ ½
Friedel,Marcus 2074 Zimmer,Frank 1988 1 0
Pyvovar,Igor 2109 Schwab,Markus 2006 ½ ½
Mader,Michael 1978 Mattern,André 2068 1 0
Fucik,Timo 1983 Huth,Arno 1897 0 1
Orsolic,Marijan 1994 Hoffmann,Sebastian 1866 1 0
|