Es war eine der erwarteten Spitzenbegegnungen, in der aktuellen Tabellensituation
die Spitzenbegegnung. Wir als 2. mit 2 Punkten Rückstand gegen den verlustpunktfreien Tabellenführer, so dass wir gewinnen mussten, während Karlsbad ein Remis reicht, um die Führung zu behalten. Beide Mannschaften nahmen das hinreichend ernst, aber die Karlsbader ernster als wir. Mit klarer Bestaufstellung für diese Saison gingen die Rangnummern 1 bis 7 ins Gefecht, und ob dann 8 oder 9 antritt, ist wohl weniger wichtig. Uns kamen beim Versuch, zu Bestaufstellung zu gelangen, immerhin 3 Absagen in die Quere

, was aber noch für einen kleinen Vorsprung von 1839 zu 1826 langte, also völlig offen, sollte man das ehrlich nennen. Immerhin war es in der 5. Runde die erste Begegnung zweier Mannschaften über 1800 in der Klasse, also gewissermassen ein Elefantentreffen.
Die Erinnerung an das letzte Jahr war für Karlsbad ein Desaster, was die Anfahrt betraf, 2 Unfälle bei 4 Autos, eine halbe Stunde Verspätung, ein Brett offen gelassen. Für uns war es ein Desaster, weil wir mit einem Mann und einer halben Stunde mehr dann noch verloren hatten. Beide Seiten strengten sich an, die Karlsbader, wenn ich richtig gehört hatte, vertrauten sich dem ÖPNV an, waren alle pünktlich, und wir waren von dem Erfolg der letztjährigen Zeitvorgabe so entzückt, dass ein Kommunikationsproblem zwischen Vorsitzendem, Mannschaftsführer und Spieler dazu führte, dass wir einen Mann noch telefonisch von zu Hause herbeirufen mussten: erfolgreich, so dass wir mit einer Vorgabe von etwa 15 Minuten diesmal selbst in der moralisch besseren Ausgangslage waren.
Wie sich das für Liga und DWZ gehört, sieht man anfangs nicht so viel, ausser bei:
- an Brett 5 hatte meine Wenigkeit dem Gegner (mit Jürgen Lagler musste ich schon im 4er-Pokal die Klingen kreuzen) schnellstmöglichst einen Bauern hinterhergeworfen, was er ebenso schnellstmöglich mit maximalen Stellungsverwirrungschancen konterte.
- an Brett 3 krallte sich Daniel an einem Bauer fest, der alle Vergiftungsansätze in sich trug, was erstmal mit Entwicklungsrückstand und schlechtem Läufer bestraft wurde.
- an Brett 7 machte Holger ein wenig Druck.
Die nächsten Änderungen waren dann, während ich sonst nicht viel sah:
- Brett 3: Daniel hatte noch einen Bauern mitgenommen und war schlicht platt, Zeit lief auch weg.
- Brett 7: Holger hatte darauf verzichtet, den primitivst-möglichen Gewinnzug zu machen (Bauer nehmen, dann ist er halt weg), und präsentierte dem Gegner stattdessen eine Qualität, weil einem verirrten Turm die Rückzugsfelder ausgingen.
- Brett 8: Volker geriet in Schwierigkeiten, die Abwicklung in T+S gegen T+L - Endspiel mit mindestens einem Minusbauern sah klar verloren aus.
- Brett 5: meine Stellung eskalierte, wohin, blieben die Meinungen geteilt. Mindestens ein nicht sehr netter Mannschaftskollege erzählte im Flur wohl, dass ich platt stünde, alles nur, weil ich den Minusbauern mehr oder weniger erzwungen gegen eine Minusqualle getauscht hatte. Aber da der Gegner noch ohne den eingeklemmten Th1 spielte, hatte ich vorerst eine Figur plus auf dem direkten Schlachtfeld.
Irgendwann kam Raphael mit einem Remisangebot seines Gegners, was klar abgelehnt werden musste angesichts der drohenden 6-2 Niederlage. Was ich nicht so mitkriegte, war, dass Wolfe seinen Angriff mal irgendwann aussichtsreich verstärken konnte, und dass irgendwann Uwe Müller wieder den Txe3-Einschlag reinbollerte, diesmal mit besseren Karten als beim letzten Versuch. Dann gingen alle 8 Partien gleichzeitig in die Zeitnot, ich verteilte an 4 Leute der 3. Mannschaft, die schon aus Malsch zurück waren, die Zeitnotformulare, und musste mich dann um meine Partie kümmern. Hier hatte ich nach einem falschen Rückschlag auf f6 nicht die bessere, sondern die klar schlechtere Abwicklung, die ich in der Zeitnot gerade noch so in einer Qualle Minus halten konnte, aber der Th1 war aus dem Käfig und begann zu räubern. Uwe Müller meldete Gewinn, Raphael einen erneuten Remisantrag. Den beschied ich auf abwarten, er hatte 40 Züge, das hatte ich kurz vorher bei der Kontrolle der Bretter gesehen. Meine Strategie war dieselbe, die Raphael in dieser Saison auch schon angewandt hatte: der König ganz vorn, hier vor den beiden verbundenen Freibauern in der Mitte, machte Weiss doch soviele Probleme, dass der am Ende nur noch einen Zug breite Grat nicht mehr gefunden wurde. Richtung 40. Zug war undeckbar eine Dame mit Schacheinzug im Anmarsch, nach dem 40. schaute sich mein Gegner das Elend noch kurz an und gab dann auf. Inzwischen hatte auch Volker, wie auch immer, ein Remisangebot erhalten, das ich jetzt auf Annehmen entschied genau wie das von Raphael, weil ich Axels Stellung, ich glaube mit gesundem Mehrbauern für gewonnen buchte und Wolfe für glatt remis, Daniel, der immer noch spielte, war platt, während Holger vielleicht noch Remischancen hatte, der Gegner kam nicht wirklich vorwärts.
Daniel verlor dann irgendwann, Holger auch, Wolfe wickelte etwas kompliziert, zwischenzeitlich wahrscheinlich sogar kurzfristig kaputt, am Ende in ein Remis ab und alles lag an Axel, der nun als einziger in die zweite Zeitnot ging und nicht richtig Ideen hatte, wie er das Material umsetzen konnte. Kurzfristig schien es für seinen Turm sehr eng zu werden, aber er kam wieder raus, konnte alle Steine konsolidieren und in dem Moment mit etwa 2 gegen 2 Minuten im Endspiel T+L+5B gegen T+S+4B stellte der Karlsbader einzügig die Qualität ein. Axel servierte das notwendige Abzugsschach, sofortige Aufgabe. Für meinen Geschmack vom Schock geprägt, die 4 Minuten hätte man ja noch probieren können ob so ein wilder Springer nicht auch mal was zum Gabeln findet, aber für uns auf jeden Fall besser so.
Ende vom Lied: Uwe hat recht, was das Glücksspiel betrifft, der Standpunkt von Roland ist vielleicht von DWZ und Liga geprägt. Dummerweise sind wir nur Tabellenführer auf Zeit, nächste Runde kommt es wahrscheinlich zum zweiten Elefantentreffen gegen Slavija - wenn wir das verlieren, haben wir wieder den grundsoliden 3. Tabellenplatz...
Diagramme folgen als Kommentar.