Dank der starken Antrittsmoral in den beiden ersten Mannschaften, erfüllte sich am Sonntag der fromme Wunsch, mit Holger einen Spieler der 2.Mannschaft als Verstärkung zu erhalten. Damit konnten wir die steigende DWZ-Tendenz fortsetzen und mit der stärksten Mannschaft in dieser Saison beim Tabellenführer antreten. Aber auch Jöhlingen hatte sich Verstärkung „von oben“ besorgt, so dass auf dem Papier ein ausgeglichener Kampf bevorstand.
Nach meiner ersten Runde durch den Raum sah es größtenteils recht ausgeglichen aus; mit meiner Stellung war ich ausnahmsweise mal sehr früh zufrieden, der gegnerische Läufer war recht „aktiv“ gewesen und hatte nach 13 Zügen ein neues zuhause auf g8 gefunden, während meine Figuren gut im Spiel waren. Nach 1,5 Stunden und bereits zwei fehlfunktionierenden Uhren an Brett 6 hatte Ali ein Remisangebot, was er gerne annehmen wollte. Ein flüchtiger Blick auf Alis Brett verhieß mir auch zuvor schon kaum nennenswerte Möglichkeiten und in Anbetracht des Spielstands willigte ich ein. (Hätte ich den DWZ-Unterschied auf dem Radar gehabt, hätte ich vielleicht abgelehnt. Na ja, hätte, hätte, hätte...)
Als nächstes begann ich mir Sorgen um Christian zu machen. Sein Königsflügel wies schwarzfeldrige Löcher auf und ebendieser Läufer war ihm bereits abgetauscht worden, während sich der gegnerische auf f6 eingenistet hatte. Christians Angriff auf dem Damenflügel endete leider irgendwann und so endete diese Partie leider nach ca. 2h mit dem klassischen „Besuch der alten Dame“ auf g7.
Bei Philipp hatte sich zu diesem Zeitpunkt ein Turmendspiel mit Minusbauern und schlechter Bauernstruktur eingestellt – das sah schwierig aus. Uwe hingegen stand mal wieder prima und konnte gegen seinen jungen Gegner eine Qualität erobern. Holger hatte in einer verwickelten Stellung (wer hätte das erwartet?

) dem Gegner eine Figur gemopst. Michael stand recht ausgeglichen, hatte aber bei einem Figurenabtausch einen Doppelbauern und einen vereinzelten Bauern erhalten, so dass er im Endspiel mit Dame und Springer aufpassen musste, nicht ins Hintertreffen zu geraten. Meine vorteilhafte Stellung aus der Eröffnung wurde mit einem Bauerngewinn gekrönt. An Winnies Stellung kann ich mich zu diesem Zeitpunkt leider nicht entsinnen.
Nach 2,5 Stunden dann zunächst die Siegmeldung von Uwe und wenig später die Verlustmeldung von Philipp. Beides habe ich nur aus dem Augenwinkel verfolgt – beide Ergebnisse kamen aber wenig überraschend: 1,5-2,5.
Mein Gegner entschloss sich dann, mir bei der Öffnung der Stellung noch etwas Unterstützung zu leisten, so dass der König zunächst aus der Mitte flüchten musste und das Erscheinen meines Turms auf der 7.Reihe eine Vielzahl nicht mehr abwehrbarer Drohungen aufstellte, so dass er aufgab: 2,5-2,5 nach 3 Stunden.
Holger stand zu diesen Zeitpunkt noch immer besser, hatte aber nicht die Damen abgetauscht, sondern die Stellung weiter kompliziert gehalten. Michael hielt den Gegner aus seiner Hälfte und dieser schien zunächst keinen konkreten Plan zu haben, wie er Michaels Stellung ausnutzen konnte. Winnie hatte eine Qualität verloren, dafür aber das Läuferpaar und eine Dame auf dem Brett und einen Gegner in Zeitnot. Aufgrund Holgers Stellung boten beide Remis an, die Gegner lehnten aber jeweils ab.
Dann rächte sich leider, dass Holger nicht vereinfacht hatte: Im Getümmel verlor er eine Figur, gewann dafür aber eine Qualität auf Kosten zweier Minusbauern: D+T gegen D+L. Der schon fast verbuchten Punkt war in weiter Ferne gerückt. Bei Winnie wurde es dramatisch, da er meiner Erinnerung nach mit einer kleinen Kombination eine Figur gewinnen konnte, dies aber nicht bemerkte. Dann passierte das Erhoffte: Winnie hatte einen Läufer auf h8 neben dem schwarzen König geparkt und seine Dame auf der langen Diagonalen postiert. Der „Besuch der alten Dame“ auf g7 lag erneut in der Luft und sein Gegner gab zunächst noch ein paar Schachs mit der Dame, konnte danach aber nicht mehr die Diagonale verstellen und gab nach 4h auf. 3,5:2,5 - war hier doch noch was drin?
Holger und Michael mussten um die Entscheidung kämpfen und zwei Remis hätten zum Mannschaftssieg gereicht. Bei Holger hatte ich wenig Hoffnung auf mehr und bei Michael sank meine Hoffnung als er sich seine Dame abtauschen ließ und mit vielen Bauernschwächen im Springerendspiel kämpfen musste. Nach etwas mehr als 5 Stunden einigten sich Holger und sein Gegner schließlich auf ein Remis (4-3) und somit hing es an Michael, vielleicht doch noch ein Remis zu retten. Mit mutigem Spiel und unter Angebot eines Figurenopfers für die Bildung eines Freibauerns konnte er eine Stellung herbeiführen, in der er seinen Springer für den einzigen Freibauern auf dem Damenflügel opfern konnte und dann mit seinem König "nur noch" die beiden verbleibenden Bauern auf dem Königsflügel abholen musste. Als Michael dieses Opfer tatsächlich anbringen konnte, war die Stellung klar remis und die Erleichterung war Michael anzumerken. Nur noch die beiden Bauern (g6+h5) abholen... und nach 5,5 Stunden passierte ihm das Malheur: Statt über f4 wollte er über h4 nach g6 und übersah, dass der verbliebene Springer ihm das Feld g5 noch nehmen konnte und der Gegner somit ausreichend Zeit hatte, um mit Hilfe des Königs doch einen Bauern umzuwandeln. Michael, Kopf hoch! Das passiert Dir nicht noch mal – ich habe solche bitteren Erfahrungen auch schon gemacht. Daraus lernt man - leider auf sehr schmerzvoller Weise.
So endete der Spieltag mit einem 4-4, aber nach meinen zwischenzeitliche Befürchtungen, muss man es wohl mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. Das Thema Auf- oder Abstieg ist damit wohl durch – trotzdem gilt es auch in den verbleibenden Partien ordentliche Ergebnisse abzuliefern. Als nächstes wartet mit Rheinstetten der nächste wohl noch dickere Brocken auf uns. Wäre toll, wenn die Antrittsmoral in Verein so stark bliebe!